Der niederländische Designer, Architekt und Maler Gerrit Rietveld wird 1888 in Utrecht
geboren, wo er auch sein gesamtes Leben verbringt. Als Sohn eines Tischlers arbeitet
er bis zu seinem fünfzehnten Lebensjahr in der väterlichen Werkstatt mit. Bis 1913
ist Gerrit Rietveld als Zeichner in der Werkstatt des Goldschmieds C.J.A. Begeer
angestellt. Ab 1906 besucht er auch Abendkurse und lernt Bauzeichnen bei dem Architekten
P.J.C. Klaarhamer. 1911/12 ist Gerrit Rietveld Mitglied der Künstlergruppe Kunstliefde,
mit der er auch ausstellt.
1917 gründet Gerrit Rietveld in Utrecht seine eigene
Möbelwerkstatt. 1919 bildet Gerrit Rietveld mit Theo van Doesburg, Piet Mondrian
und andern die Künstlergruppe De Stijl, er wird zu einem der wichtigsten und
einflussreichsten Künstler der Gruppe. Die De-Stijl-Künstler formulieren eine
Formensprache, die höchste Objektivität und Autonomie des künstlerischen Werks
ermöglichen soll, ihre Arbeiten sind streng gegenstandslos, radikal reduziert auf
die geometrische Ordnung von Horizontale und Vertikale sowie auf die Primärfarben Rot,
Gelb, Blau, zusätzlich Schwarz und Weiß. Diese Prinzipien werden sowohl auf zweidimensionale
wie auch auf dreidimensionale Arbeiten, wie Möbel und Architektur, angewendet.
1919
entwirft Gerrit Rietveld den Prototyp seines "Red-Blue"-Stuhls, der allerdings erst
1923 seine markante und de-stijl-typische Lackierung erhält. Der Stuhl besteht aus
geraden Brettern und Latten, die Sitzfläche wird blau, die Rückenlehne rot lackiert.
Die Schnittflächen der Rahmenlatten werden gelb, die Latten schwarz. Gerrit Rietveld
scheint selbst seinen Stuhl eher als ein Kunstwerk anzusehen und bezeichnet ihn als
"Raumkreation", als Raumskulptur. Der
"Red-Blue"-Stuhl wird auch in der Zeitschrift
"De Stijl" abgebildet, zudem wird er auf einer Ausstellung im Bauhaus gezeigt und
bleibt dort nicht ohne Einfluss.
1924/25 entwirft Gerrit Rietveld für Truus Schröder
in Utrecht das "Schröder-Haus", das zu einem architektonischen Manifest der
De-Stijl-Bewegung wird. Die Farbgebung sowie die Aufteilung und Anordnung der Flächen
des zweigeschossigen Wohnhauses folgen vollkommen den Prinzipien von de Stijl.
1932-1934 entwirft Gerrit Rietveld den Stuhl "Zig-Zag", der aus vier einfachen
Brettern zusammengefügt ist. 1922 gestaltet er im Zusammenhang mit der Einrichtung
der Praxis Dr. Hartog in Maarssen eine Deckenleuchte aus drei rechtwinklig angeordneten
weißen Stableuchten (Soffitten) mit schwarzen Klötzchen an den Enden, an denen die gerade
zur Decke führenden Drähte befestigt sind. 1928 wird er Mitglied des Congrès International
d'Architecture Moderne (CIAM). Als Architekt plant Gerrit Rietveld zahlreiche Bauten und
Inneneinrichtungen. Sein größtes Architekturprojekt, das Van-Gogh-Museum in Amsterdam,
wird erst neun Jahre nach seinem Tod im Jahr 1964 fertiggestellt.